Wenn du deine Coaching-Preise festlegen willst, rechnest du zuerst aus, was dein Business im Jahr einbringen muss: deine Betriebskosten plus den Gewinn, von dem du lebst. Diese Summe teilst du durch die Zahl der Termine, die realistisch gebucht und bezahlt werden. Das Ergebnis ist dein Mindestpreis. Ob er am Markt funktioniert, prüfst du danach an echten Buchungen.
Die Frage aus der Überschrift stammt übrigens nicht von mir. Jemand hat sie fast genau so in die Eingangsumfrage der Health Business Academy geschrieben:
„Wieviel kann ich dafür guten Gewissens verlangen, ohne mich unter meinem Wert zu verkaufen.“
Ich bin Anne Jansson, Business-Mentorin für selbstständige Gesundheitsexperten für Mensch und Tier und von Haus aus Wirtschaftsmathematikerin. In diesem Artikel bekommst du beides: die Rechnung, mit der du deinen Preis begründen kannst, und einen Weg, ihn im Gespräch auszusprechen. Die Rechnung ist dieselbe, egal ob du deine Arbeit Coaching, Beratung oder Therapie nennst. Die Beispiele kommen aus der Ernährungsberatung, aus Kursen und aus der mobilen Tiertherapie.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Mindestpreis pro Termin ergibt sich aus Betriebskosten plus angestrebtem Gewinn, geteilt durch die Zahl der realistisch bezahlten Termine im Jahr.
- Zu einem Termin gehört mehr Arbeit als die Gesprächszeit: Vorbereitung, Nachbereitung, Rückfragen und bei mobilen Angeboten die Fahrt.
- Die Auslastung verändert den Preis stark. Bei 50.400 € Umsatzbedarf sind es 120 € je Termin bei 420 Terminen im Jahr und 150 € bei 336 Terminen.
- Ein niedrigerer Preis erklärt Interessenten nicht, wofür sie buchen sollen. Ob ein Preis funktioniert, zeigen echte Buchungen und eine klare Beschreibung von Leistung und Nutzen.
Was muss dein Business im Jahr erwirtschaften?
Dein Preis beginnt beim Jahresbedarf. Der Umsatz muss deine Betriebskosten decken und einen Gewinn übrig lassen, von dem du leben kannst. Erst wenn diese Zahl steht, hat jede weitere Rechnung einen Bezugspunkt.
Zu den Betriebskosten gehören zum Beispiel Raummiete, Software, betriebliche Versicherungen, Werbung, Steuerberatung, Arbeitsmaterial und deine Fortbildungen. Nimm dafür deine echten Ausgaben aus dem letzten Jahr und ergänze, was sich absehbar ändert.
Der Gewinn ist das, was nach den Betriebskosten übrig bleibt. Davon zahlst du als Selbstständige deine Lebenshaltung, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und die Rücklage für schwache Monate.
Einen Anhaltspunkt liefert das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft in Bayern. Es rechnet in seinem Beispiel für eine Soloselbstständige einen privaten Bedarf von 4.140 € im Monat vor, mit Versicherungen, Vorsorge und Steuern. Das ist ein Rechenbeispiel für Bayern. Es zeigt aber gut, welche Posten in deinen Gewinn gehören.
Startest du nebenberuflich, kann dein Ziel erst einmal ein Teil davon sein. Willst du irgendwann voll von deiner Arbeit leben, muss die Rechnung diesen vollen Bedarf abbilden.
Ein Wort zu deinen Ausbildungen: Sie zeigen, was du investiert hast. Bezahlt wird dein Preis trotzdem für das, was Menschen bei dir bekommen. Deine Weiterbildungen gehören deshalb als Kosten in die Rechnung.
Wie viel Arbeit steckt wirklich in einem Termin?
Ein Beratungstermin von 60 Minuten kostet dich mehr als 60 Minuten, sobald du ihn vor- oder nachbereitest. Diese Zeit muss im Preis stecken, sonst arbeitest du einen Teil jeder Woche umsonst.
Schreib für dein Angebot auf, was alles dazugehört:
- die Gesprächs- oder Kurszeit selbst
- Vorbereitung, Nachbereitung und Dokumentation
- vereinbarte Rückfragen zwischen den Terminen, zum Beispiel per Mail oder Sprachnachricht
- bei Kursen Raumvorbereitung und Anmeldungen, bei mobilen Angeboten Fahrzeit und Fahrtkosten
Wenn du Preise als Ernährungsberater kalkulieren willst, gehört etwa das Sichten eines Ernährungsprotokolls dazu und eine schriftliche Zusammenfassung, wenn du sie versprichst. Legst du deine Preise in der Ayurveda-Beratung fest, gehört zum Beispiel die Auswertung des Fragebogens dazu, den deine Kunden vorab ausfüllen. In der mobilen Tiertherapie ist es die Fahrt zum Stall oder zur Familie mit Hund, hin und zurück.
Dazu kommt Arbeit, die keinem einzelnen Termin gehört: Kundengewinnung, Buchhaltung, Organisation. Das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft rechnet in seiner Stundensatzkalkulation mit 1.400 abrechenbaren Stunden pro Vollzeitkraft und Jahr, bei 2.080 Stunden vertraglicher Arbeitszeit. Bezahlt werden dort also nur rund zwei Drittel der Zeit.
Für deine Planung hilft eine einfache Trennung: Welche Arbeit gehört direkt zu einem Angebot, und welche fällt für das ganze Business an? So siehst du später, ob deine geplanten Termine überhaupt in deine Woche passen.
Coaching-Stundensatz berechnen: ein Rechenbeispiel
Den Coaching-Stundensatz berechnest du, indem du deinen benötigten Jahresumsatz durch die Stunden teilst, die tatsächlich bezahlt werden. Im Beispiel unten sind das 50.400 € Umsatzbedarf bei 630 Stunden Kundenarbeit im Jahr, also 80 € pro Stunde. Bei Terminen von 60 Minuten mit 30 Minuten Vor- und Nachbereitung ergibt das 120 € je Termin.
So kannst du auch dein Coaching-Honorar kalkulieren, egal ob du es pro Stunde, pro Termin oder pro Paket angibst. Die Rechnung hat zwei Schritte. Erst ermittelst du den Jahresumsatz, den du brauchst. Dann teilst du ihn durch die Termine, die du realistisch verkaufst. Alle Zahlen unten sind ausgedachte Planannahmen. Sie beschreiben weder einen Kundenfall noch einen Branchendurchschnitt.
Die Grundrechnung
Die Tabelle kannst du seitlich verschieben.
| Rechengröße | Annahme oder Ergebnis |
|---|---|
| Jährliche Betriebskosten | 12.600 € |
| Angestrebter Jahresgewinn vor Einkommensteuer | 37.800 € |
| Benötigter Jahresumsatz | 50.400 € |
| Geplante Arbeitswochen im Jahr | 42 |
| Tatsächlich bezahlte Termine pro Arbeitswoche | 10 |
| Bezahlte Termine im Jahr (42 × 10) | 420 |
| Benötigter Umsatz je Termin (50.400 € ÷ 420) | 120 € |
Betriebskosten + angestrebter Gewinn = benötigter Jahresumsatz. Diesen Umsatz teilst du durch die Zahl der bezahlten Termine. Im Beispiel muss jeder Termin im Schnitt 120 € einbringen.
Die 42 Wochen sind bewusst knapp gerechnet, weil Urlaub, Feiertage, Krankheit und Weiterbildung Zeit kosten. Die 10 Termine pro Woche sind eine angenommene Auslastung. Ein freier Platz im Kalender ist noch keine Buchung.
Schau dir außerdem den Gewinn genau an. 37.800 € im Jahr sind 3.150 € im Monat, vor Steuern und Versicherungen. Neben dem bayerischen Beispiel mit 4.140 € privatem Bedarf wird schnell klar: Wer voll von der eigenen Arbeit leben will, landet mit 120 € je Termin eher an der Untergrenze.
Alle Beträge in diesem Artikel sind netto. Ob du Umsatzsteuer aufschlagen musst, hängt von deiner Leistung und deinem Umsatz ab. Die Grundregeln stehen in den Fragen am Ende des Artikels.
Was passiert bei weniger Buchungen?
Nimm denselben Umsatzbedarf, aber im Schnitt nur 8 bezahlte Termine pro Woche:
42 × 8 = 336 Termine. 50.400 € ÷ 336 = 150 € je Termin.
Zwei Termine weniger pro Woche, und der nötige Preis steigt um 30 €. Bleibt der Preis bei 120 €, fehlen dir am Jahresende 10.080 € Gewinn. Rechne deshalb mit der Auslastung, die du in einem normalen Monat wirklich hast.
Was eine Stunde Kundenarbeit einbringen muss
Ein Termin im Beispiel besteht aus 60 Minuten Gespräch und 30 Minuten Vor- und Nachbereitung, zusammen 1,5 Stunden. 10 Termine sind damit 15 Stunden Kundenarbeit pro Woche. Marketing, Verwaltung und alles andere kommen noch obendrauf.
Teilst du die 120 € durch die 1,5 Stunden, kommst du auf 80 € pro Stunde Kundenarbeit. Mit diesem Satz kannst du auch andere Angebote durchrechnen. Die Vorbereitung ist darin schon enthalten, du schlägst sie also kein zweites Mal auf.
Gleiche Rechnung, andere Angebote: Kurs und mobile Tiertherapie
Ein Kurs, zum Beispiel Yoga oder Rückenfit. Angenommen, du bietest 8 Abende à 90 Minuten an. Das sind 12 Stunden Kurszeit plus 8 Stunden für Vorbereitung, Anmeldungen und Nachbereitung. 20 Stunden × 80 € ergeben 1.600 €.
Mietest du nur für diesen Kurs einen Raum für 35 € pro Abend, kommen 280 € dazu. Der Kurs muss also 1.880 € einbringen.
Wenn du so deinen Yogakurs-Preis kalkulierst, wird die Teilnehmerzahl zur entscheidenden Größe. Bei 8 Teilnehmern sind das 235 € pro Person, bei 5 Teilnehmern 376 €. Verlangst du 120 € pro Person, brauchst du 16 zahlende Teilnehmer, damit die Rechnung aufgeht.
Ein mobiler Termin in der Tiertherapie. Rechnen wir mit 60 Minuten am Tier, 30 Minuten Vor- und Nachbereitung und 45 Minuten Fahrt hin und zurück. Das sind 2,25 Stunden. Bei 80 € pro Stunde muss der Termin 180 € einbringen, plus deine tatsächlichen Fahrtkosten.
Wer Preise als Tiertherapeut kalkuliert, merkt hier schnell: Ein Termin, der im Kalender nach einer Stunde aussieht, kostet dich mit Fahrt mehr als das Doppelte. 10 solcher Termine sind schon 22,5 Stunden pro Woche, bevor du ein einziges Mal an Marketing gedacht hast.
Die Tabelle kannst du seitlich verschieben.
| Angebot | Arbeitszeit inklusive Vorbereitung und Fahrt | Satz pro Stunde | Mindestpreis im Beispiel |
|---|---|---|---|
| Beratungstermin, 60 Minuten | 1,5 Stunden | 80 € | 120 € pro Termin |
| Mobiler Termin in der Tiertherapie, 60 Minuten | 2,25 Stunden | 80 € | 180 € plus Fahrtkosten |
| Kurs mit 8 Abenden à 90 Minuten | 20 Stunden plus 280 € Raummiete | 80 € | 1.880 € für den ganzen Kurs |
Brauche ich kleinere Preise, um Kunden zu gewinnen?
Mit kleineren Preisen kommst du nicht leichter in den Markt. Ein niedriger Preis verändert, was am Ende für dich übrig bleibt. Warum jemand bei dir buchen soll, erklärt er niemandem.
Rechne es einmal durch. Halbierst du im Beispiel den Preis auf 60 €, brauchst du für denselben Umsatz 840 Termine im Jahr, also 20 pro Woche. Das sind 30 Stunden reine Kundenarbeit, dazu kommen Fahrten und Akquise. Willkommen im Hamsterrad.
Wie das im echten Leben aussieht, steht in einer Antwort aus unserer Eingangsumfrage: Niedrigpreis-Angebote für 40 €, mit „viel Aufwand in Werbung um gerade so die Kleingruppe zu füllen.“ In einer anderen Antwort heißt es, dass ohne eigenes Studio „die Mietkosten manchmal nicht zu meinen Kurspreisen“ passen.
Wenn ich die Antworten in dieser Umfrage durchgehe, taucht der Preis in ganz unterschiedlichen Formulierungen auf. Mal geht es um die Kalkulation, mal um das „Standing bezüglich des Honorars“, mal um die Angst, Kunden überreden zu müssen.
Bleiben die Buchungen aus, kann das viele Gründe haben. Vielleicht erreicht dein Angebot zu wenige passende Menschen, der Nutzen bleibt unklar oder der Zeitpunkt passt nicht. Ein günstigerer Preis behebt keinen dieser Gründe. Am Ende arbeitest du für dieselbe Unsicherheit einfach mehr.
Den Satz „Keiner will für Gesundheit Geld ausgeben“ kenne ich übrigens gut. Ich habe Interessentinnen erlebt, die sich darüber aufgeregt haben, dass man für Gesundheit so viel Geld nehmen kann. Solche Menschen gibt es. Sie sind nur nicht deine Kunden, und dein Preis muss nicht für sie funktionieren.
Wie prüfst du, ob dein Preis am Markt funktioniert?
Deine Rechnung zeigt, welchen Umsatz du brauchst. Ob dein Angebot zu diesem Preis gebucht wird, zeigt dir nur der Markt. Dafür prüfst du drei Dinge: wie klar dein Nutzen ist, was genau im Angebot steckt und wie ähnliche Angebote aussehen.
Den Nutzen konkret beschreiben
Beschreib, bei welchem konkreten Anliegen du unterstützt. Eine Ernährungsberatung kann zum Beispiel dabei helfen, Mahlzeiten für einen Schichtdienst zu planen. Dann versteht dein Gegenüber sofort, woran ihr arbeitet und was es aus der Beratung mitnimmt.
Lege ebenso klar fest, was enthalten ist: Dauer, Anzahl der Termine, Unterlagen, Betreuung zwischen den Terminen und zeitlicher Rahmen. Je genauer der Umfang beschrieben ist, desto leichter lässt sich der Preis einordnen.
Merkst du an dieser Stelle, dass du gar nicht genau sagen kannst, für wen dein Angebot ist und bei welchem Problem es hilft, liegt die Baustelle vor dem Preis.
In der Eingangsumfrage hat das jemand so beschrieben: „ich habe Schwierigkeiten, mein Wissen so zu verpacken, dass es ein kaufwürdiges Angebot wird“.
Wie du das klärst, zeige ich dir in meinem Artikel Als Coach selbstständig machen: Positionierung finden und endlich gebucht werden.
Vergleichen und testen
Bevor du deine Preise für Beratung festlegst, vergleiche sie mit Angeboten, die sich an ähnliche Menschen mit einem ähnlichen Anliegen richten. Achte dabei auf Unterschiede bei Qualifikation, Umfang und Betreuung. Ein allgemeiner Coaching-Stundensatz aus dem Internet hilft dir für einen Rückenkurs auf dem Land wenig.
Selbstständige Gesundheitsexperten für Mensch und Tier vergleichen sich am besten mit Kollegen aus dem eigenen Feld, also die Tierheilpraktikerin mit Tierheilpraktikern und die Ernährungsberaterin mit Ernährungsberatern.
Die IHK München empfiehlt, die Kostenrechnung um Wettbewerb, Zahlungsbereitschaft und Kundennutzen zu ergänzen. Veröffentlichte Preise zeigen dir allerdings nur, was andere verlangen. Wie oft diese Angebote wirklich gebucht werden, siehst du daran nicht.
Am meisten lernst du aus echten Buchungen. Biete einen überschaubaren ersten Durchlauf an und schreib mit, wer bucht, welche Fragen kommen und wie viel Arbeit wirklich anfällt. Danach weißt du deutlich mehr als nach jeder Tabelle.
Beratungspaket kalkulieren: Was gehört in den Preis?
In den Preis eines Beratungspakets gehören alle Termine mit Vor- und Nachbereitung und alles, was zwischen den Terminen passiert: Rückfragen, die Auswertung von Unterlagen, Material und gegebenenfalls Fahrtzeit. Im Rechenbeispiel ergeben 3 Termine à 120 € zunächst 360 €. Mit 2 Stunden Betreuung zwischen den Terminen liegt der kalkulierte Paketpreis bei 520 €.
Ein Paket ist sinnvoll, wenn mehrere Termine und eine Begleitung dazwischen zum Anliegen passen. Für eine klar begrenzte Frage reicht oft ein Einzeltermin. Der Umfang folgt dem, was dein Kunde fachlich braucht.
Wenn du ein Beratungspaket kalkulieren willst, multiplizierst du zuerst die Termine. Vereinbarst du dazu Rückfragen per Sprachnachricht und eine Auswertung von Unterlagen, sagen wir 2 Stunden insgesamt, kommen 2 × 80 € = 160 € auf die 360 € dazu.
Genau diese Zusatzleistungen fallen beim schnellen Multiplizieren unter den Tisch. Beschreib deshalb im Angebot, welche Betreuung enthalten ist und in welchem Zeitraum. Prüfe außerdem, wie viele solcher Pakete du parallel betreuen kannst.
Achte auf Doppelzählungen: Steckt die Raummiete schon in deinen jährlichen Betriebskosten, kommt sie im Paket nicht noch einmal obendrauf. Entstehen durch das Paket neue Kosten, passt du die Jahresrechnung an.
Die Tabelle kannst du seitlich verschieben.
| Angebotsform | Passt, wenn | Worauf du beim Preis achtest |
|---|---|---|
| Einzeltermin | eine klar begrenzte Frage in einem Gespräch geklärt werden kann | Vor- und Nachbereitung sind im Terminpreis enthalten |
| Beratungspaket | mehrere Termine mit Begleitung dazwischen zum Anliegen passen | Betreuung zwischen den Terminen, Auswertungen und Material werden mitgerechnet |
| Längere Begleitung über Monate | Veränderungen Zeit brauchen und regelmäßige Rückfragen dazugehören | Erreichbarkeit und Antwortzeiten werden begrenzt und im Preis berücksichtigt |
| Kurs oder Workshop | mehrere Menschen dasselbe Thema bearbeiten können | Raummiete, Vorbereitung und eine realistische Teilnehmerzahl bestimmen den Preis pro Person |
Wie nennst du deinen Preis, ohne dich zu rechtfertigen?
Du nennst Leistung und Gesamtpreis in zwei, drei Sätzen und hörst dann auf zu reden. Die Pause danach gehört deinem Gegenüber. Wer nachdenkt, braucht Zeit.
Ich kenne das selbst gut. Eine Kundin hat nach meinem Preis geschwiegen, und ich habe die Stille nicht ausgehalten. Ich habe angefangen, den Preis zu rechtfertigen, und mich danach richtig schrecklich gefühlt. Geholfen hat mir damals die Arbeit mit meiner eigenen Mentorin am Mindset, bis ich es im Gespräch anwenden konnte.
Ein Satz, der funktioniert, könnte so klingen:
„Die Beratung dauert 60 Minuten. Ich bereite sie anhand deiner Unterlagen vor, und du bekommst anschließend eine schriftliche Zusammenfassung. Der Preis beträgt 120 €.“
Fällt Umsatzsteuer an, nennst du den Betrag, den dein Gegenüber am Ende zahlt. Danach kommt die Pause, auch wenn sie sich lang anfühlt.
Wie du das ganze Gespräch aufbaust, vom ersten Kennenlernen bis zu diesem Moment, beschreibe ich in meinem Leitfaden für das Erstgespräch.
Was hinter Rückfragen steckt
Kommt ein „Ich überlege noch“ oder ein „Das ist mir zu teuer“, hilft eine ehrliche Rückfrage weiter. Fehlt deinem Gegenüber noch eine Information? Passt das Budget gerade nicht? Oder passt das Angebot nicht zu dem, was es braucht? Alle drei Antworten sind in Ordnung, und jede führt zu einem anderen nächsten Schritt.
Was du auf den Einwand „zu teuer“ konkret antworten kannst, ohne einzuknicken, zeige ich dir in meinem Artikel „Das ist mir zu teuer“: Was der Einwand bedeutet und wie du antwortest.
Ein Mensch kauft, weil er für sich eine Entscheidung treffen kann. Dafür braucht er von dir einen klaren Umfang, einen klaren Preis und die Freiheit, Nein zu sagen. So verkaufst du ohne Druck, und Überreden wird überflüssig.
Wenn dir das Aussprechen noch schwerfällt, lässt sich das üben, an ganz konkreten Situationen: Preis nennen, Pause aushalten, Rückfrage beantworten. Mein Kunde Michael hat in seinem Rückblick auf die Academy geschrieben: „Und ich habe endlich auch den Mut gehabt, ein entsprechendes Honorar dafür zu verlangen.“
Coaching-Preise festlegen: Rechne jetzt eines deiner Angebote durch
Ein Preis ist selten beim ersten Mal fertig. Er wird besser, je mehr echte Zahlen du hast. Nimm dir deshalb heute 30 Minuten und ein Blatt Papier für ein einziges Angebot:
- Welche Leistungen sind vereinbart, und wie viele Stunden brauchst du insgesamt dafür, mit Vorbereitung und Fahrt?
- Welche Kosten entstehen, und stehen sie schon in deiner Jahresrechnung?
- Wie viele bezahlte Buchungen erwartest du realistisch, auch in einem schwachen Monat?
- Welchen Umsatz und Gewinn bringt dir der aktuelle Preis unter diesen Annahmen?
- Welche Annahme prüfst du als Nächstes, durch echte Buchungen oder eine Woche Zeiterfassung?
Geht die Rechnung nicht auf, kannst du an mehreren Stellen ansetzen: beim Preis, beim Umfang, bei den Kosten oder bei der Kundengewinnung. Mehr Termine helfen nur, wenn die ganze Arbeit noch in deine Woche passt.
Beim Durchrechnen kann sich noch etwas anderes zeigen. Der Preis fällt dir schwer, weil du selbst nicht glasklar sagen kannst, wofür Menschen bei dir buchen.
Für selbstständige Gesundheitsexperten für Mensch und Tier, ob in der Ernährungsberatung, im Ayurveda, als Heilpraktiker, Tierheilpraktiker oder Tiertherapeut, hängt der Preis eng daran, ob Menschen den Wert ihrer Arbeit klar sehen. Dann fällt es deutlich leichter, einen Preis zu verlangen, der sich rechnet.
Genau dafür gibt es meinen kostenlosen Positionierungsguide „Endlich klar, womit du rausgehst“. Hol dir den Positionierungsguide.
Häufige Fragen zu Coaching-Preisen
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Coach oder Heilpraktiker?
Der Stundensatz ergibt sich für Coaches, Heilpraktiker und andere Selbstständige auf dieselbe Weise: benötigter Jahresumsatz, geteilt durch die Stunden, die tatsächlich bezahlt werden. Der Jahresumsatz setzt sich aus Betriebskosten und angestrebtem Gewinn zusammen. Zeit für Marketing, Buchhaltung, Urlaub und Krankheit wird nicht bezahlt und zählt deshalb nicht mit. Das Kompetenzzentrum Hauswirtschaft in Bayern rechnet in seinem Beispiel mit 1.400 abrechenbaren Stunden pro Vollzeitkraft und Jahr bei 2.080 Stunden vertraglicher Arbeitszeit. Bei 50.400 € Umsatzbedarf und 630 bezahlten Stunden ergibt sich ein Satz von 80 € pro Stunde.
Muss ich mich als Heilpraktiker an das Gebührenverzeichnis halten?
Das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) ist keine verbindliche Gebührenordnung. Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages beschreiben es als Orientierungshilfe der Heilpraktiker-Berufsverbände. Laut GebüH ist die Höhe des Honorars grundsätzlich frei vereinbar. Fehlt eine ausdrückliche Vereinbarung, kann der Patient davon ausgehen, dass sich das Honorar im Rahmen der GebüH-Beträge bewegt. Ein höheres Honorar wird deshalb vor der Behandlung ausdrücklich vereinbart. Für private Krankenversicherungen dient das GebüH als Orientierung bei der Erstattung.
Muss ich auf meinen Preis Umsatzsteuer aufschlagen?
Das hängt von der Leistung und vom Umsatz ab. Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin, etwa durch Heilpraktiker oder Physiotherapeuten, sind nach § 4 Nr. 14 UStG umsatzsteuerfrei. Behandlungen von Tieren nennt diese Vorschrift nicht. Unabhängig davon sind die Umsätze von Kleinunternehmern nach § 19 UStG steuerfrei, wenn der Gesamtumsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet. Auf diese Regelung können Kleinunternehmer verzichten, der Verzicht bindet dann mindestens fünf Kalenderjahre. Die Angaben gelten für Deutschland. Für die Einordnung einer konkreten Leistung ist eine Steuerberatung zuständig.
Ist ein Einführungspreis für ein neues Angebot sinnvoll?
Ein Einführungspreis kann sinnvoll sein, um ein neues Angebot mit wenigen Kunden zu testen. Dabei werden Ablauf, echter Zeitaufwand und Rückmeldungen sichtbar. Damit der Test aussagekräftig bleibt, stehen Anzahl der Plätze, Zeitraum und regulärer Preis von Anfang an fest und werden offen kommuniziert. Ein Einführungspreis zeigt allerdings nur, ob das Angebot zu diesem Preis gebucht wird. Ob es auch zum regulären Preis gebucht wird, lässt sich erst danach prüfen.
Was gehört in den Preis eines Beratungspakets?
In den Preis eines Beratungspakets gehören alle Termine mit Vor- und Nachbereitung, die vereinbarte Betreuung zwischen den Terminen, die Auswertung von Unterlagen, Material und gegebenenfalls Fahrtzeit. Wer nur die Gesprächsstunden multipliziert, übersieht diese Leistungen. Ein Beispiel: Drei Termine zu je 120 € ergeben 360 €. Kommen zwei Stunden Betreuung zwischen den Terminen bei einem Satz von 80 € pro Stunde dazu, liegt der kalkulierte Paketpreis bei 520 €. Umfang und Zeitraum der Betreuung stehen ausdrücklich im Angebot.
Über die Autorin
Anne Jansson ist Business-Mentorin für selbstständige Gesundheitsexperten für Mensch und Tier im deutschsprachigen Raum und leitet die Health Business Academy. Sie ist Wirtschaftsmathematikerin und hat Ayurveda und Ernährung mit Zertifikat studiert. Zwölf Jahre arbeitete sie in einem Konzern in der technischen Entwicklung, der strategischen Businessentwicklung und im Innovationsmanagement. Nebenbei lehrte sie als Hochschuldozentin, entwickelte Trainings und arbeitete als Management-Coach und Trainerin. Als KI-Spezialistin schulte sie Manager im Einsatz von künstlicher Intelligenz. Sie ist Inhaberin von 41 Patenten. 2019 machte sie sich neben ihrem Job als Ayurveda-Coach selbstständig und kündigte neun Monate später. Aus der Begleitung von Kollegen aus Ayurveda, Coaching und Gesundheit entstand die Health Business Academy, ein persönlich betreutes Gruppenprogramm zu Positionierung, kaufrelevanten Angeboten, Kundenreise, Verkaufen und Sichtbarkeit. Seit 2026 unterstützen dort zusätzlich KI-Agentinnen die Teilnehmer bei Marktrecherche, Angeboten und Texten. Anne Jansson hat über 1.800 Kunden begleitet. Ihr Business ist ein reines Online-Business mit Sitz in Owingen am Bodensee. Mehr über Anne Jansson: Über mich
Quellen
- Kompetenzzentrum Hauswirtschaft, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus: Unternehmerlohn: So berechnen Sie Ihre eigene Vergütung, aktualisiert am 22.09.2026
- Kompetenzzentrum Hauswirtschaft: Stundensatzkalkulation, aktualisiert am 21.09.2026
- IHK München: Preiskalkulation
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Zur Frage einer Gebührenordnung für Physiotherapeuten, WD 9 – 3000 – 020/17, 12.05.2017
- Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH), Fachverband Deutscher Heilpraktiker, Fassung bei der Verbraucherzentrale Bremen
- Umsatzsteuergesetz: § 4 UStG und § 19 UStG
- Eingangsumfrage und Testimonials der Health Business Academy (intern; Umfrage anonym, Testimonial mit Freigabe)
